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Nutzung

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Ein Zentrum für die deutsche Eisenbahngeschichte

Der Bau der ersten Bahnstrecken in Deutschland veränderte die Sicht auf dieses Land. Städte sollten miteinander verbunden werden. Gerade Linien sollten in eine historisch gewachsene Landschaft gezogen werden, die darauf in keiner Weise vorbereitet war. Die neue Eisenbahn versprach den Aufbruch in eine neue Zeit. Strecken, die Tage lange Reisen erforderten, sollten innerhalb von Stunden ermöglicht werden. Baumaterialien und Lebensmittel könnten transportiert werden, eine frühe Art von Globalisierung, eine Deutschlandisierung war vorstellbar. Doch die Grenzen der kleinen Fürstentümer waren nicht einfach zu überwinden. Die Deutschland Karte der DB ist völlig anders als die Karte der Autobahnen. Ein verwirrendes Geflecht von Adern durchzieht das Land. Adern, die immer weniger werden und durch gestärkte Hauptschlagadern ersetzt werden, durch ICE- und Güterverkehrsstrecken.

Wie sollten diese neuen Strecken vor 180 Jahren geplant und gebaut werden? Eigentumsrecht, Landesrecht, Planungsrecht, Planfeststellungsverfahren? Eine völlig neue Rechtssituation musste geschaffen werden. Es konnte mit diesen Gleisen nicht jeder Acker und nicht jeder Gutsbesitzer umfahren werden. Die Strecken sollten möglichst direkt, also gerade und ebenengleich verbinden. Visionäre waren gefragt und Investoren. Erst sollten große Städte verbunden werden, dann fast jede Gegend. Banken waren gefragt, Aktienbörsen, ein beispielloser Aufschwung der Geldwirtschaft, der Bauwirtschaft und der Maschinenbauer oder besser neu: Der Industrie. Großbaustellen entstanden, Gastarbeiter bauten Strecken unter miserablen Arbeitsbedingungen, unter großen Opfern.

Diese und weitere Geschichtsbereiche sollten aufgearbeitet und in Bebra präsentiert werden: die Geschichte der Entwicklung der Bahntechnik, dem Bau immer stärkerer und schnellerer Lokomotiven. Die Baugeschichte der Bahnstationen, der Bahnhöfe ist eine eigene Baukulturgeschichte, die immer wieder fortgeschrieben wird über Kassel-Wilhelmshöhe zum neuen Stuttgarter Bahnhof. Eine Geschichte, die viele Interessenten hat, in allen hier berührten Segmenten. Sie geht weit über die Grenzen hinaus. Eisenbahninteressierte fahren weit, um Strecken und Züge zu erfahren. Für diese Zielgruppen soll Raum geschaffen werden. Das Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte soll keine Ausstellung von Lokomotiven und Eisenbahnwagen, keine Konkurrenz für Eisenbahnmuseen in Deutschland sein. Es soll ein Zentrum der Information, des Austauschs und der praktischen Arbeit an der Eisenbahngeschichte und der Technik sein.

Büronutzung und Gründerzentrum

Wirtschaftlich und denkmalverträglich soll die Nutzung des Bahnhofsgebäudes sein. Neben Ausstellungsräumen soll die Büronutzung die wirtschaftliche Grundlage bilden. Ein Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“ dient als Vermittler, als Schnittstelle zwischen musealer Nutzung und Büro. Das stetig sich erweiternde Netzwerk soll Eisenbahnverbundene in Deutschland und Europa zusammenführen.
Welchen Bedarf gibt es für die Büronutzung in Bebra und Umgebung? Wer könnten die potentiellen Nut-zer sein? Diese Recherche soll Bestandteil eines langfristig tragbaren, wirtschaftlichen Konzeptes als Grundlage des Entwurfs sein.

Servicepoint

Der Nordkopf des Bahnhofsgebäudes ist dem Servicepoint vorbehalten. Hier sollen Warteraum und Kiosk entstehen, eigene Büroräume für die Cantus Verkehrsgesellschaft ebenso. Eine „Betriebseinheit Zugreini-gung“ benötigt hier ebenfalls Räumlichkeiten.
Somit ergeben sich fünf gleichrangige Nutzungen für das ehemalige Bahnhofsgebäude:

  • die ständige Ausstellung „Grenzbahnhof Bebra“
  • die Büros
  • das Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“
  • das „Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte“
  • der Servicepoint
Projekt

Sanierung

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Folgende Anforderungen haben wir für die Ausschreibung eines Generalplaners für die Sanierungs-/Umbauplanung gestellt:

  1. Konservatorisch grundhafte Sanierung und Umbau des Inselgebäudes des Bahnhofs in Bebra, ausgerichtet auf die Anforderungen der Denkmalbehörden, des Landesdenkmalamts und der Projektentwicklung, hin zu den Nutzungsarten: Grundversorgung Bahnbetrieb mit Kiosk und Wartebereich für den Regionalverkehr der Cantus-Bahn und den Fernverkehr der Deutschen Bahn, Zentrum der deutschen Eisenbahngeschichte, nationaler und internationaler Treffpunkt der Eisenbahn-Professionals und Eisenbahn-Amateure, Gründerzentrum und Anlaufpunkt für den Tourismus, Oase im Verkehrsstrom, narrativer Ort Deutscher Teilung von 1945 bis 1990.
  2. Das Objekt wird in der Denkmalliste Hessen als Kultur-/Industriedenkmal geführt. Der Umbau bzw. die Sanierung müssen dem Denkmalcharakter des historischen Verkehrsbauwerks angemessen sein.
  3. Dem Generalplaner wird kein ausformuliertes Raumprogramm vorgegeben. Die Aufgabenstellung besteht darin, mit den Mitteln der Architektur Räume und Bereiche für die oben genannten Nutzungsarten zu untersuchen, zu inszenieren und planerisch umzusetzen. Dies hat in enger Abstimmung mit der Stadtentwicklung und dem Bauamt der Stadt Bebra zu geschehen.
  4. Zur Planung stehen die Baupläne des Inselbahnhofs von 1869 und eine aktuelle Bestandsaufnahme als .dxf-/.dwg-Pläne sowie eine Zustandsbeschreibung und ein Raumbuch zur Verfügung.
  5. Die Generalplanerleistungen sollen unter der Federführung eines Objektplaners alle erforderlichen Fachplanerleistungen einschließen. Die Generalplanung wird stufenweise beauftragt. Nach Abschluss des VgV-Verfahrens wird die Stufe 1 beauftragt. Eine weiterführende Beauftragung hängt von der Zusage der Fördermittelgeber ab. Sollten keine Fördermittel ausgereicht werden, endet hier das Auftragsverhältnis. Stufe 1: Objektplanung Gebäude gem. § 34 HOAI LPH 1-4, Tragwerksplanung gem. § 51 HOAI LPH. 1-4, Fachplanung technische Anlagen alle erforderlichen Anlagengruppen (1-6, 8) gem. § 55 HOAI LPH 1-3/4, Beratungsleistung Bauphysik für Wärmeschutz und Energiebilanzierung und Bauakustik (Schallschutz) gem. Anlage 1 § 3 HOAI Nr. 1.2 LPH 1-4; Stufe 2: für die o. g. Leistungsbilder entsprechend die HOAI-LPH 5-7 sowie HOAI-LPH 6 für die Tragwerksplanung und HOAI-LPH 5-7 für die Beratungsleistung Bauphysik.; Stufe 3: für die o. g. Leistungsbilder entsprechend die HOAI-LPH 8-9 für Objektplanung Gebäude und Fachplanung technische Anlagen. Folgende Leistungen werden nicht Bestandteil der Generalplanung: Objektplanung Freianlagen, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination gem. § 3 BaustellV für Planung und Ausführung, Brandschutz, Bodengutachten, Vermessung.
  6. Zum baulichen Brandschutz bzw. der Erschließung des Bahnhofs durch die Feuerwehr werden aktuell Grundlagenplanungen und Konzepte erarbeitet.
  7. Die Ausführung der Bauarbeiten inkl. Schlussrechnung muss bis Ende 2019 abgeschlossen werden.
Projekt

Ausstellung

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  • Mit dem Bahnhof wuchs Bebra einst zur Eisenbahnerstadt.
  • Die Geschicke der Bahn bestimmten seit 170 Jahren die Geschicke der Stadt.
  • Die Lage des Bahnhofs inmitten der städtischen Bebauung zeigt auf sinnbildhafte Weise die Verbundenheit von Stadt und Eisenbahn.
  • Die Ausstellung soll auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden.
  • Natürlich soll es eine Ausstellung für Bebras Geschichte werden.
  • Ein Identifikationsort für Menschen aus Bebra und im Besonderen für die, die bei und mit der Bahn gearbeitet haben.
  • Die Hauptzielgruppe sind die Touristen.
  • Bebra und sein Bahnhof, seine Ausstellung sollen Ziel und Zwischenetappe für Familien sein, die in der Region Urlaub machen.
  • Auch für Radtouristen an den Flüssen und der neuen großen Strecke, die Berlin mit Bonn verbindet.
  • Familien mit Kindern soll ein attraktiver Spielbereich in der Ausstellung angeboten werden. Das Thema Eisenbahn zum Mitmachen.
  • Das Thema Grenzbahnhof soll für Schulklassen und politische Bildung geeignet sein.
  • Dies in Zusammenarbeit mit den anderen Erinnerungsorten und Ausstellungen entlang der Grenze, mit dem Schwerpunkt Point Alpha mit 130.000 Besuchern im Jahr.
  • Eine weitere Zielgruppe sind die Eisenbahnamateure.
  • Ihnen soll Raum gegeben werden, um sich hier im Lokschuppen zu treffen und zusammen mit dem Gründerzentrum Veranstaltungen und Weiterbildung anzubieten.
  • Die Ausstellung ist kein Heimatmuseum, keine Gedenkstätte und kein Eisenbahnmuseum.
  • Sie muss viel mehr können.
  • Sie muss informativ, überraschend, attraktiv und unterhaltend sein.
  • Man muss etwas Neues erfahren, mit dem Eindruck die Ausstellung verlassen, das hat sich gelohnt, das empfehle ich weiter.
  • Die Ausstellung muss einen festen Stellenwert in der Kulturlandschaft Nordhessen erhalten.
  • Sie muss aktiv beworben werden.
  • Das Museum hat keine Objekte.
  • Es sollen auch keine alten Fahrkarten und Schaufensterpuppen mit Bahn- und Grenzeruniformen ausgestellt werden.
  • Die mediale Vermittlung bis hin zur Illusion des Reisens oder der Wiederbelebung der vergangenen 1.-Klasse-Wartesaal-Herrlichkeit können Elemente einer solchen teilweise immateriellen Ausstellung werden.
  • Das Geschichtenerzählen wird einen wichtigen Raum einnehmen.
  • Zum Reisen in DDR-Zeiten können die Beteiligten bewegende Schilderungen abgeben.
  • Aktuell wird mit Zeitzeugen aus Bebra gesprochen, um die Zeit zwischen 1950 und 1990 lebendig werden zu lassen.
  • Um das inhaltliche Konzept, gerade beim Thema „Grenzbahnhof“ richtig anzugehen, ist ein Kuratorium ausgewählt worden, um zu beraten.
  • Zurzeit werden Angebote von erfahrenen Ausstellungsplanern eingeholt.
  • Die Ausstellungsplaner erstellen als Erstes eine Art Drehbuch für die Ausstellung.
  • Dann wird in mehreren Stufen die Planung konkretisiert und umgesetzt.
Projekt

Projekt

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Vorhaben

Unsere Aufgabe ist die denkmalpflegerische Sanierung und Revitalisierung des Bahnhofs Bebra mit dem Ziel, ein Denkmal der Industriekultur und Zeitgeschichte wiederzubeleben und ein Zentrum der deutschen Eisenbahngeschichte in 36179 Bebra zu schaffen.

Lageplan


 

Beschreibung für das VgV-Verfahren Generalplanung (Auszug)

  1. Das Bahnhofsgebäude ist zum ursprünglichen Bauzustand von 1869 in wesentlichen Teilen überformt. Der Bahnhof hat sich in der Zeitgeschichte den wechselnden Aufgaben angepasst. Ablesbar ist dies z. B. in der Klassentrennung der hohen repräsentativen Wartesäle, getrennt in erste/zweite bzw. dritte/vierte Klasse, ergänzt durch eine großzügige repräsentative Reisegastronomie.
  2. Der ehemalige Grenzbahnhof ist ein narrativer Ort deutsch-deutscher Geschichten und Schicksale. BRD/DDR waren im Bahnhof räumlich und organisatorisch in West und Ost getrennt.
  3. Der Inselbahnhof Bebra ist Teil einer großen Eisenbahn-Verkehrsanlage, die früher alle Funktionen des Eisenbahnbetriebs in Gebäuden und Schienenanlagen für den Personen- und Güterverkehr beinhaltete. Vier Drehscheiben bedienten Unterstände und Werkstätten für Lokomotiven. Große Teile der baulichen Anlagen sind noch erhalten und sollen konsequent zukünftigen, den historischen Bahnhof ergänzenden Nutzungen eines Zentrums deutscher Eisenbahngeschichte zugeführt werden.
  4. Aus den Eigenschaften Industriedenkmal, Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt, drittgrößter Grenzbahnhof zwischen der BRD und der DDR, dem erhaltenen wenn auch überformten Bahnhofsgebäude von 1869 mit seinem umfangreichen Raumprogramm, dem Lokschuppen als Multifunktionshalle und den korrespondierenden Bahneinrichtungen stellt das Gesamtprojekt eine gute Grundlage dar, die Eisenbahn zum Thema des neu zu definierenden Ortes zu gestalten.
  5. Zielgruppen des zukünftigen Bahnhofs Bebra sind ca. 6.000 tägliche Pendler, Kulturreisende und Interessierte der Geschichte des Grenzbahnhofs, Wander- und Radtouristen, die ein Welcome Center und eine Oase der Ruhe suchen, Eisenbahnamateure und Modelleisenbahner aus Deutschland und Europa sowie Veranstalter von historischen Eisenbahn-Sonderfahrten.
  6. Ein Teilbereich des Bahnhofsgebäudes eignet sich für Büroräume in einem Start-up-Kontext.
  7. Die Erschließung des Inselbahnhofs erfolgt ausschließlich über eine neu erweiterte und mit Aufzügen ausgestattete Fußgängerunterführung. Diese Fußgängeranbindung stellt gleichzeitig eine aufgewertete Verbindung zwischen dem westlichen Innenstadtbereich und dem östlichen Siedlungsgebiet dar. Der breite, stark befahrene Gleiskörper stellt eine starke Barriere zwischen den Stadtteilen dar.
  8. (…) Die Finanzierung erfolgt anteilig über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sowie dem Finanzausgleichsgesetz (FAG).
  9. Das VgV-Verfahren wird von der Stadt Bebra zweistufig durchgeführt. In der ersten Stufe wird ein Teilnahmewettbewerb durchgeführt, aus dem drei bis fünf Bewerber ausgewählt werden.
  10. In der zweiten Stufe werden Lösungsvorschläge gesucht, die darstellen sollen, mit welcher Konzeption der Generalplaner das Gebäude als Kulturdenkmal erhalten und erneuern will, welche baukonstruktiven und technischen Mittel er dazu und zur energetischen Ertüchtigung einsetzt und ob diese Lösungen innerhalb der budgetierten Mittel umsetzbar sind. Dies erfolgt unter der Zielsetzung, die Baunutzungskosten zukünftig dauerhaft wirtschaftlich zu gestalten.

Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte (ZDE)

Das Zentrum Deutscher Eisenbahngeschichte befasst sich mit der Entwicklung der Eisenbahn vom Bau der ersten Strecken in Deutschland bis in die Zukunft, dem Bau neuer Strecken und
der Entwicklung neuer Bahntechnik, in allen ihren Facetten.

Der Bau der ersten Bahnstrecken in Deutschland veränderte die Sicht auf dieses Land. Städte sollten miteinander verbunden werden. Gerade Linien sollten in eine historisch gewachsene
Landschaft gezogen werden, die darauf in keiner Weise vorbereitet war. Kleine und große Fürstentümer lagen wie ein Flickenteppich über diesem Land. Straßenverbindungen verdienten
diese Bezeichnung nicht. Transport war eine Schinderei für alle Beteiligten und gefährlich. Die neue Eisenbahn versprach den Aufbruch in eine neue Zeit. Strecken, die tagelange Reisen erforderten, sollten innerhalb von Stunden ermöglicht werden. Baumaterialien und Lebensmittel könnten transportiert werden, eine frühe Art von Globalisierung, eine Deutschlandisierung war vorstellbar. Naturstein aus Nebra ließe sich für das Brandenburger Tor und den neuen Reichstag verwenden. Die explosionsartig wachsende Bevölkerung von Berlin kann mit den Feldfrüchten aus einem großen Umland tagesgleich versorgt werden. Verteilzentren sollten gebaut werden.

Der lokale Markt der Städte mit der fast kompletten Selbstversorgung an Bekleidung, Nahrung und Getränken wurde einem deutschlandweiten Wettbewerb geöffnet und unterworfen. Wein aus Baden, Bier aus Radebeul wird in Berlin zum normalen Konsumgut.

Doch die Grenzen der kleinen Fürstentümer waren nicht einfach zu überwinden. Anhalt-Bernburg wollte keine stinkende, rauchende Eisenbahn, Anhalt-Köthen konnte sich das besser vorstellen, war fortschrittlicher eingestellt. Deshalb führt heute die IC-Strecke Leipzig nach Magdeburg über Köthen und nicht über Bernburg. Die Deutschland-Karte der DB ist völlig anders als die Karte der Autobahnen. Ein verwirrendes Geflecht von Adern durchzieht das Land. Adern, die immer weniger werden und durch gestärkte Hauptschlagadern ersetzt werden, durch ICE und Güterverkehrsstrecken.

Wie sollten diese neuen Strecken vor 180 Jahren geplant und gebaut werden? Eigentumsrecht, Landesrecht, Planungsrecht, Planfeststellungsverfahren? Eine völlig neue Rechtssituation
musste geschaffen werden. Es könnte mit diesen Gleisen nicht jeder Acker und nicht jeder Gutsbesitzer umfahren werden. Die Strecken sollten möglichst direkt, also gerade und ebenengleich verbinden. Visionäre waren gefragt und Investoren.

Eine Art Goldrausch entwickelte sich. Das Bild des Einschlagens des goldenen Nagels der Verbindung der Eisenbahnlinie von West- und Ostamerika ist jedem vertraut.

Die Fantasie der Streckenentwicklungen war überbordend. Erst sollten große Städte verbunden werden, dann fast jede Gegend. Touristische Ziele waren im Fokus. Engländer initiierten Bahnstrecken in den Schweizer Bergen. Länderübergreifende Ziele waren plötzlich ein europäisches Thema. Von Berlin nach Moskau – geht. Von Köln über Paris nach Istanbul – gern.

Banken waren gefragt, Aktienbörsen, ein beispielloser Aufschwung der Geldwirtschaft, der Bauwirtschaft und der Maschinenbauer oder besser neu: der Industrie. Einem Begriff, der sich nun in großen Konzernen herausbildete. Radfelgen für Lokomotiven und Wagen, die nahtlos hergestellt werden konnten von Krupp in Essen, Lokomotiven von Borsig und Henschel.

roßbaustellen entstanden, Gastarbeiter bauten Strecken unter miserablen Arbeitsbedingungen, unter großen Opfern.

Diese Geschichten sind es wert, aufgearbeitet und präsentiert zu werden. Natürlich auch die Geschichte der Entwicklung der Bahntechnik, dem Bau immer stärkerer und schnellerer Lokomotiven.

Die Baugeschichte der Bahnstationen bzw. der Bahnhöfe ist eine eigene Baukulturgeschichte, die immer wieder fortgeschrieben wird, über Kassel-Wilhelmshöhe zum neuen Stuttgarter Bahnhof.

Eine Geschichte, die viele Interessenten hat, in allen hier berührten Segmenten. Sie geht weit über die Grenzen hinaus. Eisenbahninteressierte fahren weit, um Strecken und Züge zu erfahren.

England, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, die Schweiz – überall sind Eisenbahninteressierte zuhause und mobil. Sie können zusammen mit Kultur- und Eisenbahntechnik-Interessierten in Deutschland eine große Zielgruppe bilden. Die wöchentliche Sendung Eisenbahn-Romantik des SWR hat eine große Fangemeinde.

Für diese Zielgruppen soll Raum geschaffen werden. Das ZDE ist keine Ausstellung von Lokomotiven und Eisenbahnwagen, keine Konkurrenz für Eisenbahnmuseen in Deutschland. Im besten Falle ist es ein Zentrum der Information, des Austauschs und der praktischen Arbeit an der Eisenbahngeschichte und der Technik.

Daraus kann folgendes grobes Funktions- und Raumprogramm entwickelt werden:

  1. Ständige Ausstellung zur Geschichte der Eisenbahn in Deutschland, z. B. in einem der ehemaligen Wartesäle.
  2. Thematische Wechselausstellung, z. B. zu Museumseisenbahnen in Deutschland, eine Fülle von Themen wäre vorstellbar: im vergangenen Jahr zur Eröffnung des neuen Gotthardtunnels mit Direktübertragung der Inbetriebnahme, neue Eisenbahnlinien in Afrika, ein Kontinent wird erschlossen, vergleichbar Europa vor 150 Jahren. Neue Elektrolokomotiven der Bundesbahn usw. – Themen, die auch Eisenbahn-Zeitschriften bedienen und viele Interessierte in Deutschland, der Schweiz und Österreich erreichen.
  3. Ein großer Vortragssaal ist nicht notwendig, der in Sanierung begriffene Lokschuppen kann verwendet werden. Dort sollte eine große Videowand oder eine mit Beamer bespielte Wand eingebaut werden. Hier können sich z. B. einzelne Museumsbahnen parallel zur Wechselausstellung präsentieren. Ein Gleisanschluss ist vorhanden, ein Gleis im Lokschuppen erhalten bzw. wird wiederhergestellt.
  4. Technische Bibliothek der Eisenbahngeschichte und Technik.
  5. Literarische Bibliothek der Eisenbahn.
  6. Bibliothek der Eisenbahn-Fachzeitschriften in Deutschland und der Welt.
  7. Kommunikationszentrum für europäische Eisenbahnamateure.
  8. Lese- und Ruheräume.
  9. Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“. Hier soll ein Netzwerk aufgebaut werde, das Eisenbahnverbundene in Deutschland und Europa verbindet.
  10. Gründerzentrum zur Restaurierung von Altfahrzeugen, möglicherweise in Kooperation mit Museumsbahnen. Möglicherweise lassen sich die noch vorhandenen DB-Werkstätten als „Do-it-yourself“ Werkstätten unter Anleitung pensionierter Fachleute und unter Zurverfügungstellung von Werkzeug und Hebezeug installieren – mit direktem Gleisanschluss. Kooperationen mit Werkstätten in der größeren Region in Meiningen (Dampflok), in Eisenach (Uwe Adam) und Kassel (Henschel-Museum) usw., um nur willkürlich Beispiele zu nennen.
  11. Projektzentrum Inselbahnhof Bebra.
  12. Seminarräume.
  13. Gastronomie (cateringbasiert) eventuell im Lokschuppen.
  14. Touristisches Informationszentrum.
  15. Hostel?

Grenzbahnhof Bebra, Geschichte der deutschen Teilung

  1. Ständige Ausstellung zur Geschichte des Inselbahnhofs Bebra als Grenzbahnhof. Narrativer Ort deutscher Geschichte, z. B. in einem der ehemaligen Wartesäle, Inszenierung des Übergangs. West-Ost und Ost-West, der unter Nutzung der beiden Wartesäle (West ehemalige 1./2. Klasse und Ost ehemalige 3./4. Klasse) nachvollzogen werden kann.
  2. Bibliothek.
  3. Videoraum: Personen und Geschichten.
  4. Ruhe und Leseraum.

Servicepoint Cantus

  1. Kiosk.
  2. Warteraum.
  3. Büro Cantus.
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Geschichte

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Der Bahnhof Bebra wurde 1848 eröffnet. Am 29. August erfolgte die feierliche Inbetriebnahme des ersten Abschnittes der Strecke Bebra – Baunatal – Guntershausen. Er sollte über 150 Jahre die Geschichte einer Stadt, einer Region, ja eines ganzen Landes bestimmen und prägen, sollte Lebensgeschichten sehen, Trennung und Zusammenfinden erleben. Hier traf sich sowohl die Geschichte der Eisenbahn als auch die Geschichte zweier Staaten.

Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes und die Einbindung des Bebraer Bahnhofs gingen rasant in jenen Tagen des industriellen Wachsens vonstatten. Schon am 25. September desselben Jahres wurde die Bahnstrecke bis Gerstungen verlängert und am selben Tag der Bau der Strecke Halle/Saale bis Bebra vollendet. Der Bahnhof war nun Knotenpunkt und wurde immer dichter in das Eisenbahnnetz eingewoben: 1866 ging der erste Abschnitt der Strecke Bebra – Fulda ans Netz, 1875 die Strecke Göttingen – Bebra. 1914 dann die sogenannte „Berliner Kurve“ als Verbindung der beiden Strecken Bebra – Fulda (die FrankfurtBebraer Bahn) und Halle – Bebra (die Thüringer Bahn).

Das Kriegsende 1945: der Bahnhof war nun „Grenzbahnhof“. Hier war Ende und Anfang, Durchgang nur unter Kontrolle und nicht für jeden. Interzonenzüge in die DDR hielten nun in Bebra und Militärzüge der alliierten Westmächte auf ihrem Weg nach Westberlin. Es wurde weiter Geschichte geschrieben, nun verband sich die Eisenbahngeschichte mit der Geschichte der deutschen Teilung. Der Regierungszug von Willy Brandt auf seiner Fahrt nach Erfurt wurde hier abgefertigt und der von Willi Stoph auf seinem Weg nach Kassel. Aber auch der Alltag auf dem Bahnhof wurde durch die Lage an der Grenze, als Übergangspunkt und Nadelöhr bestimmt: Zollstation, Grenzkontrolle, Warten.

1990 waren die DDR und somit der Grenzbahnhof Vergangenheit. Die „Berliner Kurve“ wurde saniert und wieder in Betrieb genommen. Nachdem sich der Zugverkehr durch die deutsche Teilung bereits in die Nord-Süd-Richtung verlagern musste, verlor der Bahnhof Bebra nun auch seinen Platz im Ost-West-Fern-verkehrsnetz.

Heute ist Bebra wichtiger Bestandteil im Regionalverkehrsnetz, einzelne IC-Züge der Strecke Düsseldorf – Leipzig/Dresden halten hier. 2012 wurden die Bahnsteige des Personenbahnhofes von der Deutschen Bahn AG komplett saniert und umgebaut, dabei legte man Gleis 1 und 2 still. Bedeutend auch der Rangierbahnhof, der 1906 entstand. Er ist einer von 13 Frachtzentren der Deutschen Bahn AG.

Mit dem Bahnhof wuchs Bebra einst zur Eisenbahnerstadt. Die Geschicke der Bahn bestimmten mehr als ein Jahrhundert die Geschicke der Stadt. Die Lage des Bahnhofs inmitten der städtischen Bebauung zeigt auf sinnbildhafte Weise die Verbundenheit von Stadt und Eisenbahn. Somit war es nur folgerichtig, dass die Stadt Bebra das ungenutzte Bahnhofsgebäude erwarb. Der Bedeutung des Bahnhofs angemessen, wurde dieses Gebäude von gewaltigen Ausmaßen im Jahre 1869 eingeweiht. Seine Länge von über 150 m ist beachtlich, aber auch seine Lage als Inselgebäude zwischen den Gleisen macht es zu einer Ausnahmeerscheinung. Architektur, Raumstruktur und -nutzung waren Ausdruck ihrer Zeit: Wartebereiche für die 1. und 2. Klasse getrennt von denen für die 3. und 4. Klasse, Fürstenzimmer, Raucherlounge und Schaffnerwohnung, Küchentrakt und Dienstzimmer. Zwar wurde das Gebäude im Laufe seines Bestehens immer wieder den aktuellen Erfordernissen angepasst, seine ursprüngliche Struktur ist jedoch nach wie vor ablesbar und in Teilen erlebbar, Bauelemente und Interieur der Entstehungszeit blieben erhalten, es ist ein Denkmal der Industriekultur und Zeitgeschichte.