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Nutzung

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Ein Zentrum für die deutsche Eisenbahngeschichte

Der Bau der ersten Bahnstrecken in Deutschland veränderte die Sicht auf dieses Land. Städte sollten miteinander verbunden werden. Gerade Linien sollten in eine historisch gewachsene Landschaft gezogen werden, die darauf in keiner Weise vorbereitet war. Die neue Eisenbahn versprach den Aufbruch in eine neue Zeit. Strecken, die Tage lange Reisen erforderten, sollten innerhalb von Stunden ermöglicht werden. Baumaterialien und Lebensmittel könnten transportiert werden, eine frühe Art von Globalisierung, eine Deutschlandisierung war vorstellbar. Doch die Grenzen der kleinen Fürstentümer waren nicht einfach zu überwinden. Die Deutschland Karte der DB ist völlig anders als die Karte der Autobahnen. Ein verwirrendes Geflecht von Adern durchzieht das Land. Adern, die immer weniger werden und durch gestärkte Hauptschlagadern ersetzt werden, durch ICE- und Güterverkehrsstrecken.

Wie sollten diese neuen Strecken vor 180 Jahren geplant und gebaut werden? Eigentumsrecht, Landesrecht, Planungsrecht, Planfeststellungsverfahren? Eine völlig neue Rechtssituation musste geschaffen werden. Es konnte mit diesen Gleisen nicht jeder Acker und nicht jeder Gutsbesitzer umfahren werden. Die Strecken sollten möglichst direkt, also gerade und ebenengleich verbinden. Visionäre waren gefragt und Investoren. Erst sollten große Städte verbunden werden, dann fast jede Gegend. Banken waren gefragt, Aktienbörsen, ein beispielloser Aufschwung der Geldwirtschaft, der Bauwirtschaft und der Maschinenbauer oder besser neu: Der Industrie. Großbaustellen entstanden, Gastarbeiter bauten Strecken unter miserablen Arbeitsbedingungen, unter großen Opfern.

Diese und weitere Geschichtsbereiche sollten aufgearbeitet und in Bebra präsentiert werden: die Geschichte der Entwicklung der Bahntechnik, dem Bau immer stärkerer und schnellerer Lokomotiven. Die Baugeschichte der Bahnstationen, der Bahnhöfe ist eine eigene Baukulturgeschichte, die immer wieder fortgeschrieben wird über Kassel-Wilhelmshöhe zum neuen Stuttgarter Bahnhof. Eine Geschichte, die viele Interessenten hat, in allen hier berührten Segmenten. Sie geht weit über die Grenzen hinaus. Eisenbahninteressierte fahren weit, um Strecken und Züge zu erfahren. Für diese Zielgruppen soll Raum geschaffen werden. Das Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte soll keine Ausstellung von Lokomotiven und Eisenbahnwagen, keine Konkurrenz für Eisenbahnmuseen in Deutschland sein. Es soll ein Zentrum der Information, des Austauschs und der praktischen Arbeit an der Eisenbahngeschichte und der Technik sein.

Büronutzung und Gründerzentrum

Wirtschaftlich und denkmalverträglich soll die Nutzung des Bahnhofsgebäudes sein. Neben Ausstellungsräumen soll die Büronutzung die wirtschaftliche Grundlage bilden. Ein Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“ dient als Vermittler, als Schnittstelle zwischen musealer Nutzung und Büro. Das stetig sich erweiternde Netzwerk soll Eisenbahnverbundene in Deutschland und Europa zusammenführen.
Welchen Bedarf gibt es für die Büronutzung in Bebra und Umgebung? Wer könnten die potentiellen Nut-zer sein? Diese Recherche soll Bestandteil eines langfristig tragbaren, wirtschaftlichen Konzeptes als Grundlage des Entwurfs sein.

Servicepoint

Der Nordkopf des Bahnhofsgebäudes ist dem Servicepoint vorbehalten. Hier sollen Warteraum und Kiosk entstehen, eigene Büroräume für die Cantus Verkehrsgesellschaft ebenso. Eine „Betriebseinheit Zugreini-gung“ benötigt hier ebenfalls Räumlichkeiten.
Somit ergeben sich fünf gleichrangige Nutzungen für das ehemalige Bahnhofsgebäude:

  • die ständige Ausstellung „Grenzbahnhof Bebra“
  • die Büros
  • das Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“
  • das „Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte“
  • der Servicepoint
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Geschichte

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Der Bahnhof Bebra wurde 1848 eröffnet. Am 29. August erfolgte die feierliche Inbetriebnahme des ersten Abschnittes der Strecke Bebra – Baunatal – Guntershausen. Er sollte über 150 Jahre die Geschichte einer Stadt, einer Region, ja eines ganzen Landes bestimmen und prägen, sollte Lebensgeschichten sehen, Trennung und Zusammenfinden erleben. Hier traf sich sowohl die Geschichte der Eisenbahn als auch die Geschichte zweier Staaten.

Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes und die Einbindung des Bebraer Bahnhofs gingen rasant in jenen Tagen des industriellen Wachsens vonstatten. Schon am 25. September desselben Jahres wurde die Bahnstrecke bis Gerstungen verlängert und am selben Tag der Bau der Strecke Halle/Saale bis Bebra vollendet. Der Bahnhof war nun Knotenpunkt und wurde immer dichter in das Eisenbahnnetz eingewoben: 1866 ging der erste Abschnitt der Strecke Bebra – Fulda ans Netz, 1875 die Strecke Göttingen – Bebra. 1914 dann die sogenannte „Berliner Kurve“ als Verbindung der beiden Strecken Bebra – Fulda (die FrankfurtBebraer Bahn) und Halle – Bebra (die Thüringer Bahn).

Das Kriegsende 1945: der Bahnhof war nun „Grenzbahnhof“. Hier war Ende und Anfang, Durchgang nur unter Kontrolle und nicht für jeden. Interzonenzüge in die DDR hielten nun in Bebra und Militärzüge der alliierten Westmächte auf ihrem Weg nach Westberlin. Es wurde weiter Geschichte geschrieben, nun verband sich die Eisenbahngeschichte mit der Geschichte der deutschen Teilung. Der Regierungszug von Willy Brandt auf seiner Fahrt nach Erfurt wurde hier abgefertigt und der von Willi Stoph auf seinem Weg nach Kassel. Aber auch der Alltag auf dem Bahnhof wurde durch die Lage an der Grenze, als Übergangspunkt und Nadelöhr bestimmt: Zollstation, Grenzkontrolle, Warten.

1990 waren die DDR und somit der Grenzbahnhof Vergangenheit. Die „Berliner Kurve“ wurde saniert und wieder in Betrieb genommen. Nachdem sich der Zugverkehr durch die deutsche Teilung bereits in die Nord-Süd-Richtung verlagern musste, verlor der Bahnhof Bebra nun auch seinen Platz im Ost-West-Fern-verkehrsnetz.

Heute ist Bebra wichtiger Bestandteil im Regionalverkehrsnetz, einzelne IC-Züge der Strecke Düsseldorf – Leipzig/Dresden halten hier. 2012 wurden die Bahnsteige des Personenbahnhofes von der Deutschen Bahn AG komplett saniert und umgebaut, dabei legte man Gleis 1 und 2 still. Bedeutend auch der Rangierbahnhof, der 1906 entstand. Er ist einer von 13 Frachtzentren der Deutschen Bahn AG.

Mit dem Bahnhof wuchs Bebra einst zur Eisenbahnerstadt. Die Geschicke der Bahn bestimmten mehr als ein Jahrhundert die Geschicke der Stadt. Die Lage des Bahnhofs inmitten der städtischen Bebauung zeigt auf sinnbildhafte Weise die Verbundenheit von Stadt und Eisenbahn. Somit war es nur folgerichtig, dass die Stadt Bebra das ungenutzte Bahnhofsgebäude erwarb. Der Bedeutung des Bahnhofs angemessen, wurde dieses Gebäude von gewaltigen Ausmaßen im Jahre 1869 eingeweiht. Seine Länge von über 150 m ist beachtlich, aber auch seine Lage als Inselgebäude zwischen den Gleisen macht es zu einer Ausnahmeerscheinung. Architektur, Raumstruktur und -nutzung waren Ausdruck ihrer Zeit: Wartebereiche für die 1. und 2. Klasse getrennt von denen für die 3. und 4. Klasse, Fürstenzimmer, Raucherlounge und Schaffnerwohnung, Küchentrakt und Dienstzimmer. Zwar wurde das Gebäude im Laufe seines Bestehens immer wieder den aktuellen Erfordernissen angepasst, seine ursprüngliche Struktur ist jedoch nach wie vor ablesbar und in Teilen erlebbar, Bauelemente und Interieur der Entstehungszeit blieben erhalten, es ist ein Denkmal der Industriekultur und Zeitgeschichte.