Geschichte

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Der Bahnhof Bebra wurde 1848 eröffnet. Am 29. August erfolgte die feierliche Inbetriebnahme des ersten Abschnittes der Strecke Bebra – Baunatal – Guntershausen. Er sollte über 150 Jahre die Geschichte einer Stadt, einer Region, ja eines ganzen Landes bestimmen und prägen, sollte Lebensgeschichten sehen, Trennung und Zusammenfinden erleben. Hier traf sich sowohl die Geschichte der Eisenbahn als auch die Geschichte zweier Staaten.

Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes und die Einbindung des Bebraer Bahnhofs gingen rasant in jenen Tagen des industriellen Wachsens vonstatten. Schon am 25. September desselben Jahres wurde die Bahnstrecke bis Gerstungen verlängert und am selben Tag der Bau der Strecke Halle/Saale bis Bebra vollendet. Der Bahnhof war nun Knotenpunkt und wurde immer dichter in das Eisenbahnnetz eingewoben: 1866 ging der erste Abschnitt der Strecke Bebra – Fulda ans Netz, 1875 die Strecke Göttingen – Bebra. 1914 dann die sogenannte „Berliner Kurve“ als Verbindung der beiden Strecken Bebra – Fulda (die FrankfurtBebraer Bahn) und Halle – Bebra (die Thüringer Bahn).

Das Kriegsende 1945: der Bahnhof war nun „Grenzbahnhof“. Hier war Ende und Anfang, Durchgang nur unter Kontrolle und nicht für jeden. Interzonenzüge in die DDR hielten nun in Bebra und Militärzüge der alliierten Westmächte auf ihrem Weg nach Westberlin. Es wurde weiter Geschichte geschrieben, nun verband sich die Eisenbahngeschichte mit der Geschichte der deutschen Teilung. Der Regierungszug von Willy Brandt auf seiner Fahrt nach Erfurt wurde hier abgefertigt und der von Willi Stoph auf seinem Weg nach Kassel. Aber auch der Alltag auf dem Bahnhof wurde durch die Lage an der Grenze, als Übergangspunkt und Nadelöhr bestimmt: Zollstation, Grenzkontrolle, Warten.

1990 waren die DDR und somit der Grenzbahnhof Vergangenheit. Die „Berliner Kurve“ wurde saniert und wieder in Betrieb genommen. Nachdem sich der Zugverkehr durch die deutsche Teilung bereits in die Nord-Süd-Richtung verlagern musste, verlor der Bahnhof Bebra nun auch seinen Platz im Ost-West-Fern-verkehrsnetz.

Heute ist Bebra wichtiger Bestandteil im Regionalverkehrsnetz, einzelne IC-Züge der Strecke Düsseldorf – Leipzig/Dresden halten hier. 2012 wurden die Bahnsteige des Personenbahnhofes von der Deutschen Bahn AG komplett saniert und umgebaut, dabei legte man Gleis 1 und 2 still. Bedeutend auch der Rangierbahnhof, der 1906 entstand. Er ist einer von 13 Frachtzentren der Deutschen Bahn AG.

Mit dem Bahnhof wuchs Bebra einst zur Eisenbahnerstadt. Die Geschicke der Bahn bestimmten mehr als ein Jahrhundert die Geschicke der Stadt. Die Lage des Bahnhofs inmitten der städtischen Bebauung zeigt auf sinnbildhafte Weise die Verbundenheit von Stadt und Eisenbahn. Somit war es nur folgerichtig, dass die Stadt Bebra das ungenutzte Bahnhofsgebäude erwarb. Der Bedeutung des Bahnhofs angemessen, wurde dieses Gebäude von gewaltigen Ausmaßen im Jahre 1869 eingeweiht. Seine Länge von über 150 m ist beachtlich, aber auch seine Lage als Inselgebäude zwischen den Gleisen macht es zu einer Ausnahmeerscheinung. Architektur, Raumstruktur und -nutzung waren Ausdruck ihrer Zeit: Wartebereiche für die 1. und 2. Klasse getrennt von denen für die 3. und 4. Klasse, Fürstenzimmer, Raucherlounge und Schaffnerwohnung, Küchentrakt und Dienstzimmer. Zwar wurde das Gebäude im Laufe seines Bestehens immer wieder den aktuellen Erfordernissen angepasst, seine ursprüngliche Struktur ist jedoch nach wie vor ablesbar und in Teilen erlebbar, Bauelemente und Interieur der Entstehungszeit blieben erhalten, es ist ein Denkmal der Industriekultur und Zeitgeschichte.