Projekt

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Vorhaben

Unsere Aufgabe ist die denkmalpflegerische Sanierung und Revitalisierung des Bahnhofs Bebra mit dem Ziel, ein Denkmal der Industriekultur und Zeitgeschichte wiederzubeleben und ein Zentrum der deutschen Eisenbahngeschichte in 36179 Bebra zu schaffen.

Lageplan


 

Beschreibung für das VgV-Verfahren Generalplanung (Auszug)

  1. Das Bahnhofsgebäude ist zum ursprünglichen Bauzustand von 1869 in wesentlichen Teilen überformt. Der Bahnhof hat sich in der Zeitgeschichte den wechselnden Aufgaben angepasst. Ablesbar ist dies z. B. in der Klassentrennung der hohen repräsentativen Wartesäle, getrennt in erste/zweite bzw. dritte/vierte Klasse, ergänzt durch eine großzügige repräsentative Reisegastronomie.
  2. Der ehemalige Grenzbahnhof ist ein narrativer Ort deutsch-deutscher Geschichten und Schicksale. BRD/DDR waren im Bahnhof räumlich und organisatorisch in West und Ost getrennt.
  3. Der Inselbahnhof Bebra ist Teil einer großen Eisenbahn-Verkehrsanlage, die früher alle Funktionen des Eisenbahnbetriebs in Gebäuden und Schienenanlagen für den Personen- und Güterverkehr beinhaltete. Vier Drehscheiben bedienten Unterstände und Werkstätten für Lokomotiven. Große Teile der baulichen Anlagen sind noch erhalten und sollen konsequent zukünftigen, den historischen Bahnhof ergänzenden Nutzungen eines Zentrums deutscher Eisenbahngeschichte zugeführt werden.
  4. Aus den Eigenschaften Industriedenkmal, Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt, drittgrößter Grenzbahnhof zwischen der BRD und der DDR, dem erhaltenen wenn auch überformten Bahnhofsgebäude von 1869 mit seinem umfangreichen Raumprogramm, dem Lokschuppen als Multifunktionshalle und den korrespondierenden Bahneinrichtungen stellt das Gesamtprojekt eine gute Grundlage dar, die Eisenbahn zum Thema des neu zu definierenden Ortes zu gestalten.
  5. Zielgruppen des zukünftigen Bahnhofs Bebra sind ca. 6.000 tägliche Pendler, Kulturreisende und Interessierte der Geschichte des Grenzbahnhofs, Wander- und Radtouristen, die ein Welcome Center und eine Oase der Ruhe suchen, Eisenbahnamateure und Modelleisenbahner aus Deutschland und Europa sowie Veranstalter von historischen Eisenbahn-Sonderfahrten.
  6. Ein Teilbereich des Bahnhofsgebäudes eignet sich für Büroräume in einem Start-up-Kontext.
  7. Die Erschließung des Inselbahnhofs erfolgt ausschließlich über eine neu erweiterte und mit Aufzügen ausgestattete Fußgängerunterführung. Diese Fußgängeranbindung stellt gleichzeitig eine aufgewertete Verbindung zwischen dem westlichen Innenstadtbereich und dem östlichen Siedlungsgebiet dar. Der breite, stark befahrene Gleiskörper stellt eine starke Barriere zwischen den Stadtteilen dar.
  8. (…) Die Finanzierung erfolgt anteilig über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sowie dem Finanzausgleichsgesetz (FAG).
  9. Das VgV-Verfahren wird von der Stadt Bebra zweistufig durchgeführt. In der ersten Stufe wird ein Teilnahmewettbewerb durchgeführt, aus dem drei bis fünf Bewerber ausgewählt werden.
  10. In der zweiten Stufe werden Lösungsvorschläge gesucht, die darstellen sollen, mit welcher Konzeption der Generalplaner das Gebäude als Kulturdenkmal erhalten und erneuern will, welche baukonstruktiven und technischen Mittel er dazu und zur energetischen Ertüchtigung einsetzt und ob diese Lösungen innerhalb der budgetierten Mittel umsetzbar sind. Dies erfolgt unter der Zielsetzung, die Baunutzungskosten zukünftig dauerhaft wirtschaftlich zu gestalten.

Zentrum Deutsche Eisenbahngeschichte (ZDE)

Das Zentrum Deutscher Eisenbahngeschichte befasst sich mit der Entwicklung der Eisenbahn vom Bau der ersten Strecken in Deutschland bis in die Zukunft, dem Bau neuer Strecken und
der Entwicklung neuer Bahntechnik, in allen ihren Facetten.

Der Bau der ersten Bahnstrecken in Deutschland veränderte die Sicht auf dieses Land. Städte sollten miteinander verbunden werden. Gerade Linien sollten in eine historisch gewachsene
Landschaft gezogen werden, die darauf in keiner Weise vorbereitet war. Kleine und große Fürstentümer lagen wie ein Flickenteppich über diesem Land. Straßenverbindungen verdienten
diese Bezeichnung nicht. Transport war eine Schinderei für alle Beteiligten und gefährlich. Die neue Eisenbahn versprach den Aufbruch in eine neue Zeit. Strecken, die tagelange Reisen erforderten, sollten innerhalb von Stunden ermöglicht werden. Baumaterialien und Lebensmittel könnten transportiert werden, eine frühe Art von Globalisierung, eine Deutschlandisierung war vorstellbar. Naturstein aus Nebra ließe sich für das Brandenburger Tor und den neuen Reichstag verwenden. Die explosionsartig wachsende Bevölkerung von Berlin kann mit den Feldfrüchten aus einem großen Umland tagesgleich versorgt werden. Verteilzentren sollten gebaut werden.

Der lokale Markt der Städte mit der fast kompletten Selbstversorgung an Bekleidung, Nahrung und Getränken wurde einem deutschlandweiten Wettbewerb geöffnet und unterworfen. Wein aus Baden, Bier aus Radebeul wird in Berlin zum normalen Konsumgut.

Doch die Grenzen der kleinen Fürstentümer waren nicht einfach zu überwinden. Anhalt-Bernburg wollte keine stinkende, rauchende Eisenbahn, Anhalt-Köthen konnte sich das besser vorstellen, war fortschrittlicher eingestellt. Deshalb führt heute die IC-Strecke Leipzig nach Magdeburg über Köthen und nicht über Bernburg. Die Deutschland-Karte der DB ist völlig anders als die Karte der Autobahnen. Ein verwirrendes Geflecht von Adern durchzieht das Land. Adern, die immer weniger werden und durch gestärkte Hauptschlagadern ersetzt werden, durch ICE und Güterverkehrsstrecken.

Wie sollten diese neuen Strecken vor 180 Jahren geplant und gebaut werden? Eigentumsrecht, Landesrecht, Planungsrecht, Planfeststellungsverfahren? Eine völlig neue Rechtssituation
musste geschaffen werden. Es könnte mit diesen Gleisen nicht jeder Acker und nicht jeder Gutsbesitzer umfahren werden. Die Strecken sollten möglichst direkt, also gerade und ebenengleich verbinden. Visionäre waren gefragt und Investoren.

Eine Art Goldrausch entwickelte sich. Das Bild des Einschlagens des goldenen Nagels der Verbindung der Eisenbahnlinie von West- und Ostamerika ist jedem vertraut.

Die Fantasie der Streckenentwicklungen war überbordend. Erst sollten große Städte verbunden werden, dann fast jede Gegend. Touristische Ziele waren im Fokus. Engländer initiierten Bahnstrecken in den Schweizer Bergen. Länderübergreifende Ziele waren plötzlich ein europäisches Thema. Von Berlin nach Moskau – geht. Von Köln über Paris nach Istanbul – gern.

Banken waren gefragt, Aktienbörsen, ein beispielloser Aufschwung der Geldwirtschaft, der Bauwirtschaft und der Maschinenbauer oder besser neu: der Industrie. Einem Begriff, der sich nun in großen Konzernen herausbildete. Radfelgen für Lokomotiven und Wagen, die nahtlos hergestellt werden konnten von Krupp in Essen, Lokomotiven von Borsig und Henschel.

roßbaustellen entstanden, Gastarbeiter bauten Strecken unter miserablen Arbeitsbedingungen, unter großen Opfern.

Diese Geschichten sind es wert, aufgearbeitet und präsentiert zu werden. Natürlich auch die Geschichte der Entwicklung der Bahntechnik, dem Bau immer stärkerer und schnellerer Lokomotiven.

Die Baugeschichte der Bahnstationen bzw. der Bahnhöfe ist eine eigene Baukulturgeschichte, die immer wieder fortgeschrieben wird, über Kassel-Wilhelmshöhe zum neuen Stuttgarter Bahnhof.

Eine Geschichte, die viele Interessenten hat, in allen hier berührten Segmenten. Sie geht weit über die Grenzen hinaus. Eisenbahninteressierte fahren weit, um Strecken und Züge zu erfahren.

England, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, die Schweiz – überall sind Eisenbahninteressierte zuhause und mobil. Sie können zusammen mit Kultur- und Eisenbahntechnik-Interessierten in Deutschland eine große Zielgruppe bilden. Die wöchentliche Sendung Eisenbahn-Romantik des SWR hat eine große Fangemeinde.

Für diese Zielgruppen soll Raum geschaffen werden. Das ZDE ist keine Ausstellung von Lokomotiven und Eisenbahnwagen, keine Konkurrenz für Eisenbahnmuseen in Deutschland. Im besten Falle ist es ein Zentrum der Information, des Austauschs und der praktischen Arbeit an der Eisenbahngeschichte und der Technik.

Daraus kann folgendes grobes Funktions- und Raumprogramm entwickelt werden:

  1. Ständige Ausstellung zur Geschichte der Eisenbahn in Deutschland, z. B. in einem der ehemaligen Wartesäle.
  2. Thematische Wechselausstellung, z. B. zu Museumseisenbahnen in Deutschland, eine Fülle von Themen wäre vorstellbar: im vergangenen Jahr zur Eröffnung des neuen Gotthardtunnels mit Direktübertragung der Inbetriebnahme, neue Eisenbahnlinien in Afrika, ein Kontinent wird erschlossen, vergleichbar Europa vor 150 Jahren. Neue Elektrolokomotiven der Bundesbahn usw. – Themen, die auch Eisenbahn-Zeitschriften bedienen und viele Interessierte in Deutschland, der Schweiz und Österreich erreichen.
  3. Ein großer Vortragssaal ist nicht notwendig, der in Sanierung begriffene Lokschuppen kann verwendet werden. Dort sollte eine große Videowand oder eine mit Beamer bespielte Wand eingebaut werden. Hier können sich z. B. einzelne Museumsbahnen parallel zur Wechselausstellung präsentieren. Ein Gleisanschluss ist vorhanden, ein Gleis im Lokschuppen erhalten bzw. wird wiederhergestellt.
  4. Technische Bibliothek der Eisenbahngeschichte und Technik.
  5. Literarische Bibliothek der Eisenbahn.
  6. Bibliothek der Eisenbahn-Fachzeitschriften in Deutschland und der Welt.
  7. Kommunikationszentrum für europäische Eisenbahnamateure.
  8. Lese- und Ruheräume.
  9. Gründerzentrum „Netzwerk Eisenbahn“. Hier soll ein Netzwerk aufgebaut werde, das Eisenbahnverbundene in Deutschland und Europa verbindet.
  10. Gründerzentrum zur Restaurierung von Altfahrzeugen, möglicherweise in Kooperation mit Museumsbahnen. Möglicherweise lassen sich die noch vorhandenen DB-Werkstätten als „Do-it-yourself“ Werkstätten unter Anleitung pensionierter Fachleute und unter Zurverfügungstellung von Werkzeug und Hebezeug installieren – mit direktem Gleisanschluss. Kooperationen mit Werkstätten in der größeren Region in Meiningen (Dampflok), in Eisenach (Uwe Adam) und Kassel (Henschel-Museum) usw., um nur willkürlich Beispiele zu nennen.
  11. Projektzentrum Inselbahnhof Bebra.
  12. Seminarräume.
  13. Gastronomie (cateringbasiert) eventuell im Lokschuppen.
  14. Touristisches Informationszentrum.
  15. Hostel?

Grenzbahnhof Bebra, Geschichte der deutschen Teilung

  1. Ständige Ausstellung zur Geschichte des Inselbahnhofs Bebra als Grenzbahnhof. Narrativer Ort deutscher Geschichte, z. B. in einem der ehemaligen Wartesäle, Inszenierung des Übergangs. West-Ost und Ost-West, der unter Nutzung der beiden Wartesäle (West ehemalige 1./2. Klasse und Ost ehemalige 3./4. Klasse) nachvollzogen werden kann.
  2. Bibliothek.
  3. Videoraum: Personen und Geschichten.
  4. Ruhe und Leseraum.

Servicepoint Cantus

  1. Kiosk.
  2. Warteraum.
  3. Büro Cantus.